Lade Akte: Alkoholismus
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Alkoholabhängigkeit ist eine chronische, rückfallgefährdete Erkrankung, bei der die Kontrolle über den Alkoholkonsum verloren geht und der Konsum trotz schwerwiegender sozialer, körperlicher und psychischer Folgen aufrechterhalten wird. Kennzeichen sind Toleranzentwicklung (immer mehr für denselben Effekt), Entzugssymptome bei Abstinenz (bis hin zu lebensbedrohlichem Delirium tremens), Kontrollverlust und die Verengung des Alltags auf die Beschaffung und den Konsum von Alkohol. Alkohol ist die einzige gesellschaftlich normalisierte Sucht – und genau darin liegt ihr literarisches Potenzial: Der funktionale Alkoholiker, der nach außen kompetent wirkt und innerlich zerfällt. Der Ermittler, der durch den Flaschenboden auf Tatortfotos starrt. Die Mutter, die ihre Kinder liebt und täglich scheitert. Alkoholismus als Figurenmerkmal erzeugt eine spezifische Unzuverlässigkeit der Erinnerung – Blackouts als erzählerische Lücken, die der Leser gemeinsam mit der Figur füllen muss. Und die moralische Ambiguität: Schuld und Krankheit als unlösbarer Knoten.